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Wirtschaft

Zalando will Logistikzentrum in Erfurt schließen

Zalando will Logistikzentrum in Erfurt schließen
2700 Beschäftigte sind betroffen – Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) übt scharfe Kritik
Von Ludwig Kendzia und Johanna Apel
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Erfurt.
Der Modehändler Zalando will sein Logistikzentrum in Erfurt schließen. Das teilte der Dax-Konzern am Donnerstagmorgen mit. Betroffen sind 2700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Zalando begründete den Schritt mit einer Neuausrichtung des konzerneigenen europaweiten Logistiknetzwerks nach der Übernahme des Onlinemodehändlers About You im vergangenen Jahr. Das Unternehmen beginne nun Gespräche mit dem Betriebsrat des Standorts über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan, um den Betroffenen eine Perspektive zu geben, sagte Zalando-Sprecher Christian Schmidt. Die Schließung soll bis Ende September erfolgen.

Die Landesregierung reagierte mit scharfer Kritik auf die Nachricht. „Was hier passiert, trifft nicht abstrakte Zahlen, sondern tausende Familien in Thüringen. Beschäftigten Sicherheit zuzusagen, Leistung zu fordern, ihnen Verlässlichkeit zu signalisieren und anschließend Standorte zu schließen, beschädigt Vertrauen nachhaltig“, sagte Ministerpräsident Mario Voigt (CDU).

Es gehe um soziale Verantwortung gegenüber den Menschen, die diesen Standort getragen haben. „Thüringen steht für Verlässlichkeit. Diese Verlässlichkeit erwarten wir auch von Unternehmen – besonders gegenüber ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Besonders dann, wenn öffentliche Unterstützung im Spiel ist", sagte Voigt.

Auch Thüringens Wirtschaftsministerin Colette Boos-John (CDU) zeigte sich überrumpelt. „Dass wir hier vor vollendete Tatsachen gestellt worden sind, ist absolut unüblich und ganz sicher kein guter Stil“, sagte Boss-John in Erfurt. Sie sei von der Nachricht völlig überrascht worden. Die Gründe für den Rückzug des Unternehmens aus Thüringen seien auch ihr bisher nicht bekannt.

„Ich hätte mir gewünscht, dass wir frühzeitig in diese Pläne einbezogen worden wären“, zeigte sich Boss-John irritiert. Denn hätte man möglicherweise noch über Alternativen zu einer Standortschließung sprechen können, so die Thüringer Wirtschaftsministerin.

An diesem Freitag soll es im Erfurter Rathaus ein Krisentreffen geben. An diesem werden neben Zalando auch Boos-John, der Erfurter Oberbürgermeister Andreas Horn (CDU) und Vertreter der Agentur für Arbeit teilnehmen. „Der Rückzug von Zalando sei ein Schlag vor allem für die Beschäftigten und deren Familien“, sagte die Ministerin.

Scharfe Kritik an Zalando kommt auch von der Thüringer SPD-Fraktion. „Dass nun 200 Kilometer weiter westlich, nämlich in Gießen, ein neues Logistikzentrum eröffnet wird, ist typisch profitgetriebene Konzernlogik“, sagte der arbeitsmarktpolitische Sprecher Moritz Kalthoff (SPD). Die Beschäftigten seien für das DAX-Unternehmen völlig unerheblich.